Kas­sen­prü­fer: Ver­trau­en ist gut – Kon­trol­le ist besser

Das Früh­jahr ist in den meis­ten Schüt­zen­ver­ei­nen auch die Zeit der Jah­res­haupt­ver­samm­lun­gen, in denen über die Ent­las­tung des Vor­stan­des für die Tätig­keit im Vor­jahr ent­schie­den wird. Zur Vor­be­rei­tung die­ser Ent­las­tungs­ent­schei­dung bedie­nen sich fast alle Ver­ei­ne eines oder meist zwei­er Kas­sen­prü­fer. Kas­sen­prü­fer haben damit in unse­ren Bru­der­schaf­ten eine wich­ti­ge Funk­ti­on, und das, obwohl sie im Gesetz gar nicht vor­ge­se­hen sind. Es ist daher emp­feh­lens­wert, die Kas­sen­prü­fung durch zwei Kas­sen­prü­fer in der Ver­eins­sat­zung zu ver­an­kern. Auch unse­re Mus­ter­sat­zung für Bru­der­schaf­ten ent­hält eine ent­spre­chen­de Bestim­mung über die Kassenprüfer.

Die Per­son des Kassenprüfers 

Da es kei­ne gesetz­li­chen Rege­lun­gen gibt, gel­ten zunächst ein­mal die Bestim­mun­gen der jewei­li­gen Ver­eins­sat­zung über die Kas­sen­prü­fer und im übri­gen die Prü­fungs­auf­trä­ge der Mit­glie­der­ver­samm­lung. Vie­le Ver­eins­sat­zun­gen bestim­men, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung min­des­tens ein­mal jähr­lich Kas­sen­prü­fer wäh­len muss.

Grund­sätz­lich kann jeder­mann, auch Nicht-Ver­eins­mit­glie­der, zum Kas­sen­prü­fer bestellt wer­den. Aller­dings gilt hier­von eine Aus­nah­me, die aus der Funk­ti­on der Kas­sen­prü­fer folgt: Die Kas­sen­prü­fer sol­len das Geschäfts­ge­ba­ren und die Ver­mö­gens­ver­wal­tung des Vor­stan­des über­prü­fen. Damit schei­den aber Vor­stands­mit­glie­der zwin­gend als Kas­sen­prü­fer aus. Dies wird immer wie­der aktu­ell, wenn ein gewähl­ter Kas­sen­prü­fer spä­ter in den Vor­stand auf­rückt. Damit ist er als Kas­sen­prü­fer nicht mehr trag­bar und für ihn muss ein Ersatz­kas­sen­prü­fer bestellt wer­den. Der Kas­sen­prü­fer soll­te auch nicht aus einem „erwei­ter­ten“ Vor­stand stam­men, wie ihn vie­le unse­rer Bru­der­schaf­ten neben dem Vor­stand im gesetz­li­chen Sin­ne vor­se­hen. Wird bei­spiels­wei­se ein gewähl­ter Kas­sen­prü­fer spä­ter König der Bru­der­schaft und damit Mit­glied etwa des erwei­ter­ten Vor­stan­des, kann er in die­sem Jahr nicht als Kas­sen­prü­fer tätig sein und muss ersetzt werden.

Die Auf­ga­ben des Kassenprüfers

Bei der Beschrei­bung der Auf­ga­be eines Kas­sen­prü­fers soll­te man zunächst den Begriff „Kas­sen­prü­fer“ ruhig wört­lich neh­men: Die Kas­sen­prü­fer über­prü­fen die Kas­se des Ver­eins, sie über­prü­fen, ob die vor­han­de­nen Mit­tel wirt­schaft­lich ver­wen­det wur­den und die Aus­ga­ben sach­lich rich­tig sind und mit dem Haus­halts­plan über­ein­stim­men. Sie über­prü­fen also die Kas­sen- und Ver­mö­gens­be­stän­de des Ver­eins. Sie über­prü­fen, ob die Mit­glieds­bei­trä­ge ord­nungs­ge­mäß ein­ge­zo­gen wur­den und ob die Ein­nah­men und Aus­ga­ben rich­tig ver­bucht wur­den. Sie über­prü­fen dabei,

  • ob die Kon­ten­ab­schlüs­se von Bar­kas­se und Bank­kon­ten kor­rekt sind und ob für alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben Bele­ge vor­han­den sind,
  • dass es kei­ne in der Buch­hal­tung des Ver­eins nicht ent­hal­te­nen „Neben­kas­sen“ gibt,
  • ob die Mit­glieds­bei­trä­ge ord­nungs­ge­mäß ein­ge­gan­gen sind,
  • ob die Beschlüs­se der Mit­glie­der­ver­samm­lung und des Vor­stan­des umge­setzt wur­den und ob die damit ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hal­ten wur­den und ob bei zustim­mungs­pflich­ti­gen Hand­lun­gen die Zustim­mung der ver­ant­wort­li­chen Gre­mi­en ein­ge­holt wurde,
  • ob etwai­ge Zah­lun­gen an Mit­glie­der zu Recht erfolgt sind und hier­für Ver­trä­ge oder Beschlüs­se vorliegen,
  • ob die Beträ­ge der Spen­den­quit­tun­gen mit den gebuch­ten Beträ­gen über­ein­stim­men und von allen erteil­ten Spen­den­quit­tun­gen Kopien vor­han­den sind und ob Sach­spen­den, für die Spen­den­be­schei­ni­gun­gen aus­ge­stellt wur­den, beson­ders gekenn­zeich­net wur­den, sowie
  • ob die Mit­tel des Ver­eins spar­sam und sach­lich kor­rekt ver­wen­det wurden.

Die Kas­sen­prü­fer han­deln bei die­ser Prü­fung stets im Rah­men pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens. Sie kön­nen sich etwa im Regel­fall auf stich­pro­ben­ar­ti­ge Über­prü­fun­gen beschrän­ken. Wer­den aller­dings bei die­sen Stich­pro­ben erheb­li­che Feh­ler fest­ge­stellt, muss eine voll­stän­di­ge und lücken­lo­se Über­prü­fung erfol­gen. Sodann fer­ti­gen die Kas­sen­prü­fer über die Prü­fung einen Prü­fungs­be­richt, der in der Mit­glie­der­ver­samm­lung regel­mä­ßig die Grund­la­ge für die Ent­las­tung des Vor­stan­des ist. Hier­aus ergibt sich auch die grund­le­gen­de Ver­pflich­tung der Kas­sen­prü­fer, der Mit­glie­der­ver­samm­lung über Män­gel in der Rech­nungs­le­gung zu berich­ten und zu bean­stan­den, was zu einem Ver­mö­gens­scha­den des Ver­eins oder sei­ner Mit­glie­der führt oder füh­ren kann.

Die Ent­las­tung des Vorstandes

Die Ent­las­tung des Vor­stan­des ist kei­ne Auf­ga­be der Kas­sen­prü­fer, son­dern der Mit­glie­der­ver­samm­lung. Die Kas­sen­prü­fer berei­ten die­se Ent­schei­dung mit ihrem Prü­fungs­be­richt nur vor. Dies bedeu­tet, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung den Vor­stand auch dann ent­las­ten kann, wenn die Kas­sen­prü­fer kei­nen Bericht abge­ben oder die Ent­las­tung nicht vor­schla­gen. Ande­rer­seits kann die Mit­glie­der­ver­samm­lung die Ent­las­tung selbst­ver­ständ­lich auch ver­sa­gen, obwohl die Kas­sen­prü­fer die Ent­las­tung empfehlen.

Doch was bedeu­tet eigent­lich die Ent­las­tung des Vor­stan­des? Die Ent­las­tung ist ein recht­lich bedeut­sa­mer Vor­gang des Ver­eins gegen­über den Mit­glie­dern sei­nes Vor­stan­des. Denn mit der Ent­las­tung ver­zich­tet der Ver­ein auf even­tu­ell bestehen­de Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen­über sei­nen Vor­stands­mit­glie­dern. Hier­in zeigt sich auch die Bedeu­tung der Tätig­keit der Kas­sen­prü­fer, denn die Mit­glie­der­ver­samm­lung ist für die­se Ent­schei­dung regel­mä­ßig auf einen fun­dier­ten Bericht der Kas­sen­prü­fer angewiesen.